GRETTA LOUW

Each Trailing a Dreamworld

Was bedeutet es, Künstliche Intelligenz (KI) in den künstlerischen Schaffensprozess
einzubeziehen? Es geht darum, ein mathematisches System zu lenken, das der
menschlichen Ästhetik und Intention im Grunde „blind“ gegenüber steht. Die
Herausforderung für die Künstlerin besteht darin, ihre innere Vision mit der abstrakten
Logik eines Algorithmus zu vereinen.

Um substanzielle Ergebnisse zu erzielen, ist eine tiefgehende Kuratierung der Daten
essenziell. Ein auf willkürlichen Massendaten trainiertes KI-Modell produziert oft
Mittelmäßigkeit. Die Übersetzung einer jahrelang gereiften künstlerischen
Wahrnehmung in die algorithmische Sprache erfordert höchste Präzision.

Die Arbeit mit KI ist daher weniger ein Befehls-Output-System, als vielmehr ein
langwieriger Dialog mit dem Unbekannten, gekennzeichnet durch die Oszillation
zwischen Enttäuschung und dem plötzlichen Geistesblitz eines unvorhergesehenen
Bildes. Die eigentliche künstlerische Leistung, das Ringen um den Ausdruck und das
Feinjustieren durch Prompts, beginnt nach der initialen Generierung. Die finale
gestalterische Entscheidung verbleibt stets bei der menschlichen Künstlerin.

In ihrer Installation Each Trailing a Dreamworld demonstriert Gretta Louw poetisch und
kritisch die Möglichkeiten des symbiotischen Einsatzes von Technologie und
traditioneller Ästhetik. Die Arbeit schafft einen immersiven Erlebnisraum, in dem die
Grenzen zwischen der stofflichen Realität eines natürlichen Objekts und seinem
künstlich generierten Abbild verschwimmen.

Zentrales Motiv ist die Orchidee, die eine komplexe Historie von kolonialer Jagd,
obsessiver Sammelleidenschaft und genetischer Manipulation in sich trägt. Sie ist ein
Symbol für Schönheit und Begehren, aber auch für die menschliche Hybris, die Natur
kontrollieren zu wollen.

Louw nutzt die KI, um diese Vielschichtigkeit multisensorisch zu erforschen. Das
„All-Over“ des Motivs auf Stoffbannern und Tapete dekonstruiert die florale Ästhetik in
ein Muster. Gelb- und Grautöne erzeugen eine geheimnisvolle Tiefe.

Die Soundinstallation bildet das Herzstück dieses Dialogs. Gretta Louw unterzog das
KI-System einem langen Prozess der Textkuratierung auf Basis online verfügbarer
Orchideen-Artikel. Durch präzise Prompts forderte sie das LLM auf, Sätze unter streng
definierten ästhetischen Kriterien zu extrahieren und neu zu präzisieren, um eine
poetische Dichte zu erzielen, die über die reine Sachinformation hinausgeht.

Das Resultat ist ein äußerst lyrischer Informationsfluss über die Welt der Orchidee.
Dieser sorgfältig destillierte Text, performt von Louw selbst und vorgelesen von der KI,
schafft eine immersive auditive Ebene, die das Publikum tief in die metaphorische und
materielle Welt der Pflanze hineinzieht und zur kontemplativen Vertiefung einlädt.