Auf dem IPAI CAMPUS entsteht in Heilbronn die Zukunft der europäischen KI. In einer einzigartigen Kooperationsausstellung mit den Städtischen Museen Heilbronn verbindet die IPAI Foundation jetzt die Zukunft mit der Vergangenheit. Eines der dort gefundenen Artefakte, der Kopf einer römischen Merkur-Statue, wurde in Kooperation mit den Entwicklern der Talking Paintings (bekannt durch die sprechende Mona Lisa) in einen digitalen Avatar verwandelt der in den IPAI SPACES im Wohlgelegen zu sehen ist. Ab dem 07. Mai 2026 bietet die IPAI Foundation dort eine einmalige Erfahrung aus interaktiven Exponaten, immersiver Wissensvermittlung und einer passenden Kunstausstellung.
Ein Gott als Dialogpartner: Der Merkur-Avatar
Während das Museum im Deutschhof den originalen Kopf der Merkur-Statue und weitere Artefakte in einer Sonderausstellung präsentiert, ermöglicht in den IPAI SPACES der KI-basierte, sprachgesteuerte Avatar des Gottes Merkur den Besuchern eine direkte Interaktion.
Als „Talking Painting“ beantwortet der Merkur-Avatar Fragen der Besucherinnen und Besucher in Echtzeit und führt im Gespräch durch seine Wissensgebiete. Anders als klassische Audioguides oder fest vorgegebene Touchscreen-Interaktionen entstehen KI-basierte, individuelle Gespräche, die jede Begegnung einzigartig machen. Gleichzeitig bleibt der Charakter stets thematisch mit der römischen Geschichte, Mythologie und den regionalen Ausgrabungen verbunden.
Die technische Grundlage bildet eine KI-gestützte Digital-Humans-Technologie, die Computer Vision, Sprachverarbeitung, Large Language Models und KI-basierte Charakteranimation kombiniert. Ziel der Entwickler der „Talking Paintings“ ist es, kulturelle Inhalte emotional, zugänglich und interaktiv zu vermitteln.
Wissenschaft im Praxistest: Drei neue Demonstratoren
Parallel zur Interaktion mit dem Merkur-Avatar machen drei neue Demonstratoren im IPAI Besucherzentrum die Anwendung von KI in der Archäologie unmittelbar greifbar:
- Eine App zur Mustererkennung in 3D-Objekten, die Polizei und Zoll effektiv vor illegalem Kulturguthandel schützt, genannt KIKu (Fraunhofer SIT).
- Ein System, das über 100.000 antike Münzen vernetzt und historische Bildmotive über Jahrhunderte hinweg analysierbar macht, genannt Imagines Nummorum (BBAW et al.).
- Ein KI-Werkzeug, das Objekte in Grabungsberichten autonom erkennt und analoge Kataloge digital vergleichbar macht, genannt AutArch (JGU Mainz/LEIZA).
Künstlerische Reflexion: Egor Kraft
Ergänzt werden die interaktiven Exponate durch die Ausstellung “Reverse Archaeology” des renommierten internationalen Medienkünstlers Egor Kraft. Kraft, dessen Werke bereits in bedeutenden Institutionen wie dem ZKM Karlsruhe und dem Jeu de Paume in Paris gezeigt wurden, gilt als einer der profiliertesten Köpfe an der Schnittstelle von KI, Archäologie und Philosophie. Seine Arbeiten aus der Serie “Content Aware Studies” untersuchen mittels generativer KI-Modelle die Rekonstruktion antiker Skulpturenfragmente und füllen deren Leerstellen durch automatisierte algorithmische Verfahren. Dabei entstehen physische Skulpturen von „algorithmischer Integrität“, die eine unheimliche Authentizität ausstrahlen, zugleich aber bizarre Abweichungen vom klassischen Kanon offenbaren. Kraft hinterfragt damit kritisch die Rolle der KI als „quasi-archäologische“ Wissensinstanz und bietet einen notwendigen Raum für die Reflexion über technologische Deutungshoheit und mögliche Verzerrungen in unserer Wahrnehmung der Geschichte.
In den IPAI Spaces wird somit die einzigartige Chance geboten, einen Blick in die Zukunft von Museen und der archäologischen Forschung zu werfen – an der Schnittstelle von realem Erbe und digitaler Innovation.