LIAT GRAYVER UND DANIEL BERIO: LABOR, 2025​

Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz gibt es neben den digitalen und geistigen Errungenschaften eine oft übersehene Form der Intelligenz: die körperliche Intelligenz. Handwerkliches Wissen wird in der modernen Gesellschaft geringgeschätzt, wo Architekten mehr Anerkennung erhalten als Bauarbeiter. Während viele Bürojobs durch KI automatisiert werden, erfordert handwerkliche Arbeit weiterhin menschliche Fähigkeiten. Körperliche Intelligenz zeigt sich auch bei einfachen Tätigkeiten wie dem Zeichnen eines Strichs oder Kreises, was für einen Roboter viel Programmieraufwand bedeutet. Ein weiteres Beispiel ist die instinktive Fähigkeit einer Frau, eine Geburt zu meistern, obwohl sie dies noch nie erlebt hat.

Die Installation LABOR des Künstlerduos Liat Grayver und Daniel Berio thematisiert die oft unerklärte und unterschätzte körperliche Intelligenz und die damit verbundene Arbeit. Das englische Wort „labor“ bedeutet sowohl „Arbeit“ als auch „Geburt“, und die Ausstellung untersucht diese Doppeldeutigkeit im Kontext der Frauengesundheit, die in der klinischen Forschung stark unterrepräsentiert ist.

LABOR besteht aus einer einwöchigen Live-Performance, bei der das Künstlerduo mithilfe eines Roboterarms ein großes Wandbild aus vielen einzelnen Kacheln kreierte. Grundlage des Wandbildes sind Elektronenmikroskopbilder von menschlichen Plazentazellen, die von Prof. Dr. Inge Herrmanns Forschungsgruppe am Nano Particles Engineering Lab der ETH Zürich zur Verfügung gestellt wurden. Berios generatives Softwaresystem unterteilte die Bilder in Abschnitte und abstrahierte jeden Abschnitt in kalligraphische Pinselstriche, die von einem Roboter gemalt wurden, basierend auf den Skizzen von Liat Grayver.

Die automatisierte digitale Kunstproduktion des Roboters erfordert viel menschliches Geschick. Ein Roboter kann Farben nicht so flexibel mischen, Pinsel genau justieren oder Holzplatten platzieren wie ein Mensch. Diese Mensch-Maschine-Performance betont die Beziehung zwischen menschlicher Intuition und algorithmischem Prozess. Trotz maschineller Hilfe sind kleine Entscheidungen unverzichtbar: Passt die Farbe? Ist die Kachel trocken genug für die nächste Schicht? Wurden die Eingaben korrekt umgesetzt oder muss nachjustiert werden?

Mit dieser Ausstellung wird das Gleichgewicht zwischen natürlichen, physischen Elementen und künstlichen, mechanischen Komponenten erforscht und die oft unbeachtete körperliche Intelligenz im Zusammenhang mit der digitalen Transformation und der wachsenden Rolle der Künstlichen Intelligenz beleuchtet.